Landsleute

Verdiente Landsleute

Hans-Achaz von Lindenfels mit 84 Jahren verstorben

Am 1. Januar 2017 ist Hans-Achaz Gustav Karl Wilhelm Freiherr von Lindenfels in seinem Haus in Landsberg am Lech im Alter von 84 Jahren verstorben. Er wurde am 14. Januar 1932 in Nürnberg geboren und stammte aus einem fränkischen Adelsgeschlecht, das sich stets in die Dienste der Verwaltung und der Verteidigung des bayerischen Staates gestellt hatte.

Hans-Achaz von Lindenfels war Jurist und in den Jahren von 1970 bis 1990 Oberbürgermeister der Stadt Marktredwitz. In diesen Jahren habe der hoch verdiente Kommunalpolitiker die Stadt geprägt und sich herausragende Verdienste um sie erworben, so der jetzige Oberbürgermeister Oliver Weigel. Von Lindenfels verstand es als Parteiloser, im Stadtrat Entscheidungen herbeizuführen, die alle Fraktionen tragen konnten. Einer seiner großen Freunde und Weggefährten in dieser Zeit war der Egerländer Dr. Hermann Braun. Dadurch wird verständlich, dass Freiherr von Lindenfels Zeit seines Lebens ein großer Freund und Schirmherr der Egerländer war.
Von 1970 bis 1990 war er Mitglied des Vorstandes der Egerland-Kulturhaus-Stiftung und hat sich große Verdienste um den Bau des Egerland-Kulturhauses erworben. Damit hatten die Egerländer ihr Egerlandmuseum.
Nach 2000 übernahm er spontan die Errichtung der Egerländer Kunstgalerie als regionales Museum der modernen Kunst, die er bis 2007 ehrenamtlich betreute. Unvergessen ist die 900-Jahrfeier der ehemals freien Rechtsstadt Eger und sind die großen Egerlandtage in Marktredwitz, zu denen Tausende Egerländer die Stadt bevölkerten.
Unermüdlich wirkte von Lindenfels für die Egerländer. So erreichte er, dass zum 90. Geburtstag von Dr. Hermann Braun 2004 die beiden Bände „Nordbairisches Wörterbuch des Sechsämter-, Stift- und Egerlandes“ erschienen. Hans-Achaz von Lindenfels war trotz seines späteren Engagements in Dresden bei jedem Egerlandtag und jeder Bundeskulturtagung zugegen. Seine Diskussionsbeiträge und Vorträge fanden große Aufmerksamkeit. Mit seiner großen Erfahrung unterstütze er die Verantwortlichen in den Gremien. Er erarbeitete ein umfangreiches Zukunftskonzept für die Egerland-Kulturhaus-Stiftung, die den staatlichen Stellen zugeleitet wurde. Auch für die zweite Stiftung, die „Egerlandmuseum-Stiftung“, war er mehr als ein juristischer Berater. Bis zuletzt war er tätig, um die Besserstellung der Stiftung durch den Freistaat Bayern und die Sanierung des Hauses voranzutreiben. Zahlreiche Gespräche führte es deshalb mit Beamten und Ministern der Bayerischen Staatsregierung.

Die Egerländer würdigten seine Verdienste durch die Verleihung des renommierten Egerländer Kulturpreises „Johannes von Tepl“, des Bundesehrenzeichens des Bundes der Egerländer Gmoin und die Ehrenmitgliedschaft im BdEG. Außerdem wurde er 2006 mit der Rudolf-Lodgman-Plakette und 2012 mit der Adalbert-Stifter-Medaille der Sudetendeutschen Landsmannschaft geehrt.
Wir Egerländer werden das Andenken an diesen verdienstvollen Mann stets in hohen Ehren halten.

Dr. Wolf-Dieter Hamperl



Josef Zuleger verstorben

Wieder einmal müssen wir Abschied nehmen von einem Egerländer, dessen Herz bis zum letzten Atemzug seiner alten Heimat, eben dem Egerland, gehörte.
Trotzdem war er für alles Neue offen, half wo es nur ging – aber er war ein Stiller im Lande, kein lauter Rufer, oder einer, der sich wichtig in den Vordergrund stellte.
Nein laut ging es bei ihm nie zu, aber immer, wenn er gebraucht wurde, dann war er da.

So war es in Salzburg mit dem alten Pferdestall, der nicht abgerissen wurde, sondern durch seine damalige Weitsicht umgebaut wurde und so zur Heimstätte für die Egerländer und andere Salzburger Vereine wurde. Er kannte sich genau aus bei all den elektrischen Leitungen, Installationen usw. Wenn mal was kaputt war, dann holte man ganz einfach den Joschi, und in kurzer Zeit war der Schaden auch schon wieder behoben.

Er war aber auch ein Familienmensch, hatte zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn. Seine erste Frau pflegte er aufopfernd bis zu ihrem Tod. Durch seine zweite Frau Christine kam dann wieder frischer Schwung in sein Leben.
Christine war es auch, die ihm in allen Belangen des Gmoilebens zur Seite stand, bis er sich dann, auch schon altersbedingt, zurückzog, und Christine zur Vüarstäihare gewählt wurde. Als Ehrenvüarstäiha war sein Wissen aber immer noch sehr gefragt.
Mit Josef Zuleger ist wieder ein Teil des Egerlandes verloren gegangen.

„Da Herrgott lau(ß nan sölligh rouha!“



Trauer um Franz Neubauer

München. Der langjährige Bayerische Staatsminister Franz Neubauer, ehemals Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, ist am Abend des 2. Dezember 2015 im 86. Lebensjahr verstorben.

Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, der wie Neubauer beide Führungsämter in Personalunion ausübt, würdigte seinen Vorgänger als „Sudetendeutschen Fels in der Brandung einer stürmischen Wendezeit.“ Der heimatbewusste Egerländer Neubauer habe schon als Staatssekretär und Minister unter Strauß energisch die Anliegen der Heimatvertriebenen vertreten, zielstrebig auf die Wiedervereinigung Deutschlands und Europas hingearbeitet und nach dem Fall des Eisernen Vorhanges Brücken zum tschechischen Volk geschlagen. Dabei habe er erleben müssen, bei nationalen Betonköpfen auf beiden Seiten anzuecken.

Trotz mancher Enttäuschungen sei er unbeirrt seinen Weg weitergegangen, was heute wesentlich zum derzeit sehr erfolgreichen Annäherungsprozess zwischen Tschechen und Sudetendeutschen sowie der Tschechischen Republik und Bayern beitrage. Posselt: „Neubauer war ein Pionier mit festen Prinzipien und als solcher immer wieder im Widerstreit mit dem Zeitgeist. Seine starke Persönlichkeit wird uns fehlen, aber auch durch ihre Vorbildwirkung immer wieder die Richtung weisen.“

Quelle:Pressemitteilung der
Sudetendeutschen Landsmannschaft



Mimi Herold, unsere „Egerländer Nachtigall“, singt nicht mehr!

Mimi Herold geb. Schramm wurde in Plan bei Marienbad geboren, sie hatte noch sechs Brüder. Nach der Vertreibung kam sie nach Wien, dort arbeitete sie als Straßenbahnschaffnerin, bis sie ihren Mann kennenlernte, der sie nach Aschaffenburg holte.

Mimi Herold war seit jungen Jahren der Volksmusik verschrieben. Bereits 1960 brachte sie ihre erste Schallplatte auf den Markt. Es folgten mehrere Langspielplatten und CDs. Bekannt wurde sie durch ihre Egerländer Lieder, die sie größtenteils selbst textete und komponierte. Eine gehörige Portion Selbstbewußtsein und Durchsetzungsvermögen hat sie zu verdanken, daß ihr auch spektakuläre Erfolge nicht versagt blieben.

Bekannt wurde sie als „Egerländer Nachtigall“, diese Bezeichnung erhielt sie bereits 1960. So wurde sie den Zuschauern in Funk und Fernsehen bekannt und gewann zahlreiche Wettbewerbe, z.B. die volkstümliche Hitparade beim Südwestfunk.
Große Erfolge feierte sie mit den „Lustigen Musikanten“, die sie auf zwei Tourneen in 52 Städte der Bundesrepublik begleiteten, darunter auch ihren größten Auftritt mit 9.500 Zuschauern in der Olympiahalle in München.
Erfolge in Funk und Fernsehen ließen nicht lange auf sich warten. Auch Auszeichnungen, wie die Bundesverdienstmedaille für die Pflege der Volksmusik, wurden ihr zuteil.
Ihre Auftritte führten sie unter anderem nach Schweden, Italien, Holland, Spanien, Ost- und Westkanada, Argentinien, Tschechien und Israel.
Vor einigen Jahren rief sie der Leiter des Bundeswehrmusikkorps an und fragte, ob sie bereits zwei Tage später mit in die USA fliegen würde, weil sie dort vor Sudetendeutschen auftreten sollte. Spontan sagte sie zu. Da sie noch nie mit der Bundeswehrkapelle aufgetreten war, erfolgten die Proben während des Fluges. Auch der Auftritt in den USA war für sie ein voller Erfolg.
In Deutschland trat sie mit bekannten Künstlern wie Franzl Lang, Lolita, Vico Torriani, Maria und Margot Hellwig und Maxl Graf auf.
In vielen Fernsehsendunen wie „Mit Sang und Klang“, „Im Krug zum grünen Kranze“, „Lustige Musikanten“, „Superhitparade der Volksmusik“ oder „Heimatmelodie“ stand sie vor der Kamera, immer
dabei ihr Akkordeon. Singen und Spielen gehörten zusammen, seit ihrer Kindheit ein Traum. Sehr eindrucksvoll ist u. a. ihr Lied „Heimat, wo sind deine Menschen“.
Sie verfügte über sehr viel Organisationstalent, so initiierte und organisierte sie über 54 Jahre die „Eghalanda Kaiser-Kirwa“ in Aschaffenburg.

Mimi Herold kannte keine Starallüren, fühlte sich immer unter Landsleuten wohl und plauderte mit ihnen.
Mimi Herold hatte vor, an ihrem 90. Geburtstag, am 2. September 2015, noch einmal aufzutreten, aber das blieb ihr versagt. Sie verstarb am 20. Juli in Aschaffenburg in einem Pflegeheim.

Der Herrgott lau(ß unsere Nachtigall sölligh rouha!

Peter Böhme, Frankfurt



Kulturmedaille der Stadt Linz für Bundesvüarstäiha Alfred Baumgartner

Bundesvüarstäiha Konsulent Alfred Baumgartner erhielt am 18. 6. 2015 aus der Hand des Bürgermeisters der Stadt Linz, MMag. Klaus Luger, die „Kulturmedaille der Stadt Linz“ überreicht.

In seiner Laudatio kam Bgm. Luger auf die vielfältigen Verdienste des Ausgezeichneten sowohl im eigenen Bundesland als auch grenzüberschreitend zu sprechen und erwähnte den unermüdlichen Einsatz.

Als Vorsitzender des Bundes der Egerländer Gmoin ist ein Ganztagsjob garantiert und sehr viel Reisetätigkeit damit verbunden. Er hat eine Reihe von Auszeichnungen schon in der Vergangenheit erhalten. Gemeinsam mit seiner Gattin Jutta-Sybille Aglas-Baumgartner, die auch über viele Auszeichnungen verfügt, werden alle anstehenden Probleme und Arbeiten bravourös und präzise gelöst.

Herzlichen Glückwunsch!



Gertrud Träger – eine aktive Egerländerin hat sich verabschiedet

Am 22. Januar ist die aus Luditz stammende Gertrud Träger im Alter von 92 Jahren in Marburg verstorben. Sie wurde am 6. Februar im Münchner Waldfriedhof beerdigt. Ihr Vater war Arzt in Tachau. Ihre Mutter stammte aus einer Familie, deren Vorfahren dort in wichtigen Ämtern tätig waren. Nach der Vertreibung war Gertrud Träger von 1963 bis 1983 Hauptbuchhalterin in der Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft Bayern in München. Sie war für ihre beiden Heimatstädte in vielfältiger Weise tätig und wurde zugleich eine vielgeachtete Schriftstellerin, die sich der Geschichte ihrer Heimat und der Pflege des Egerländer Kulturgutes, vor allem der Kunst und den KünstIern im Egerland, sehr erfolgreich widmete.

Ihr Wirken wurde in vielfältiger Weise ehrenvoll gewürdigt. Im Jahr 1998 erhält sie die Adalbert-Stifter-Medaille der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Im Jahr 2000 erhielt sie aus der Hand der bayerischen Sozialministerin das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2011 verlieh ihr der Arbeitskreis Egerländer Kulturschaffender und der Bund der Eghalanda Gmoin den Egerländer Kulturpreis „Johannes-von-Tepl“.

Das Ergebnis ihrer umfangreichen Forschungen über Luditz und Tachau hält sie in einer beachtlichen Reihe von Büchern fest. So vor allem im Heimatbuch für Stadt und Kreis Luditz und in der Topographie der Kulturdenkmäler im Kreis Luditz. Von 1998 bis 2000 erarbeitet sie als Kulturbeauftragte des Kreises Luditz zusammen mit den Ortsbetreuern eine Kultur-Kataster-Kartei für diesen Kreis, mit deren Hilfe die erste deutsch-tschechische Denkmalliste als Prototyp für einen Kreiskataster entsteht. Sie fördert die Luditzer Heimatstube in Homburg-Bad-Soden vor allem auch durch Exponate aus ihrem Besitz. Ebenso engagiert sie sich für Stadt und Kreis Tachau. Für das Tachauer Heimatmuseum in Weiden stellt sie zahlreiche wertvolle Exponate und Archivalien zur Verfügung. Sie trägt dazu bei, daß die Bücher „Bildende Künstler aus dem Kreis Tachau-Pfraumberg“ und „Die historischen Grabmäler der Tachauer Region“ entstehen. Für das Buch „Kunstdenkmäler des Kreises Tachau“ bilden ihre Forschungen eine wichtige Grundlage. Bereits 1994 erscheinen die Bücher „Geschichte einer deutschen Stadt in Böhmen“ und „Vertreibung und Flucht aus dem Kreis Tachau“. Gertrud Träger wirkte außerdem als Leiterin der Familienforscher Luditz maßgeblich in der Egerländer Familienforschung mit. Von 1981 bis 1991 wurden 32.000 Karteikarten und 600 Ahnenlisten erstellt. Das dabei entstandene Schriftgut wird dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv, das mit dem Sudetendeutschen Archiv zusammenarbeitet, zur Verfügung gestellt.
Seit Anfang der 1970er Jahre verfaßte Gertrud Träger Beiträge über die Egerländer Künstler. Sie unterstützt damit die Idee, die Erinnerung an die Egerländer Künstler der Moderne zu erhalten. Dazu bietet sich in den 1980erJahren bei Professor Richard Fleißner in München eine besondere Gelegenheit durch das Ordnen seiner Kunstsammlung. Zusammen mit anderen unterstützt sie den für die Künstler aus dem Osten engagierten Hochschullehrer bei der Errichtung einer Stiftung zur Errichtung einer Egerländer Kunstgalerie im Egerland-Kulturhaus Marktredwitz. 1984 findet in dieser Institution eine große Sonderausstellung „Das Kunstschaffen der Egerländer im XX. Jahrhundert“ statt, die Gertrud Träger in Zusammenarbeit mit dem AEK durch die Erarbeitung eines Katalogs vorbereitete und Veranlassung gab, weiter über die Egerländer Künstler der Moderne zu arbeiten. 1997 konnte dann Gertrud Träger als Testamentsvollstreckerin von Richard Fleißner durch eine Zustiftung aus dem Nachlaß des Künstlers und eines wertvollen Teils seiner Kunstsammlung eine wesentliche Voraussetzung zur Errichtung der Egerländer Kunstgalerie im Egerland-Kulturhaus Marktredwitz schaffen. Sie wirkte dann maßgeblich im Organisations-Gremium für die Kunstgalerie mit und stellte außerdem noch einen Betrag von DM 10.000 für die wissenschaftliche Betreuung der Kunstgalerie zur Verfügung. Einen Großteil ihrer Bibliothek stellt sie der Egerländer Studienbibliothek in Marktredwitz zur Verfügung.

Mit Gertrud Träger verlieren die heimatvertriebenen Egerländer eine Persönlichkeit, die sich mehr als ein halbes Jahrhundert für die Pflege der Kultur und der Kunst der Egerländer Heimat erfolgreich eingesetzt hat. Gertrud Träger verdient für ihr Wirken großen Dank und eine bleibende Erinnerung.

Hans-Achaz Freiherr von Lindenfels



Sabine Müller verstorben
Nachruf der Egerland-Jugend

Sehr geehrte Frau Pastorin, lieber Jürgen, liebe Helga, liebe Verwandte, Freunde und Bekannte von Sabine, im Namen der Egerland-Jugend und als Freund von Sabine stehe ich heute hier, wo ich vor fast genau sechs Jahren auch stand und einen Nachruf in gleicher Eigenschaft für Sabines Mann – unseren Günther – sprach. Viele von damals trauern auch wieder um einen besonders wertvollen Menschen.
Ich nahm mir gestern diesen gehaltenen Nachruf nochmals aus der Schublade und musste feststellen, daß nahezu dieselben Worte von damals – dem 1. September 2006 – heute für unsere Sabine auch passen würden. Da hätte ich es mir aber zu leicht gemacht.
Was Sabine und Günther betrifft will ich es mir und uns aber auch nicht leicht machen. Denn die beiden, die nun leider nicht mehr unter uns sind, haben es sich für uns auch nie leicht gemacht.
Wenn Günther gemeinhin als „Macher“ galt, so war mir Sabine als „Mitdenkerin“ bekannt. Die Egerland-Jugend und der Bund der Egerländer Gmoin haben unzählige Veranstaltungen, Treffen und Fahrten mit den Müllers organisiert. Schon ich kann von vielen Gesprächen mit Sabine berichten, in denen sie von erledigten Vorgängen berichtete, die sie schon ohne weitere Aufforderung von selbst erledigte. Sie dachte einfach mit und machte nicht viel Aufhebens darum.
Eine Anzahl von Maßnahmen und Veranstaltungen hatte Sabine als Kassenwartin der EJ und des Bundes der Egerländer mit Günther und vielen Freunden zu bewältigen. Viele Probleme wurden zum Wohl aller bewältigt, Klippen umschifft aber auch das eine oder andere Mal sind wir zusammen auf Grund gelaufen. Die Müllers haben sich nie der Verantwortung entzogen und die echten Freunde und Mitstreiter standen ihnen aber auch in schweren Zeiten zur Seite.

Sabine wurde in unseren Kreisen liebevoll „Bine“ genannt. Nach dem Tod von Günther half ihr ein harter Kern von guten Freunden, um das viel zu große Eigenheim in Iserlohn auf Vordermann zu bringen. Nicht alleine deshalb, weil Unmengen Material der Egerland-Jugend dort lagerten, sondern weil Sabine als Frau nicht in der Lage gewesen wäre, die körperliche Arbeit um das Haus zu bewältigen. Diese „Arbeitseinsätze“ wurden gerne erledigt, weil:
• Bine auch sehr dankbar dafür war,
• Bine die Unterstützung von alten Freunden verdient hatte und
• letztlich auch der Spaß an diesen Tagen nicht zu kurz kam.
Die Beteiligten wissen wovon ich spreche!

Dann kam die Zeit, in der Sabine krank wurde und sie ab dann auch niemanden mehr um sich haben wollte. Bine besuchte unsere Treffen und Tagungen nicht mehr, die sie über 40 Jahre lang treu und gerne besuchte. Sie hatte Angst vor Infektionen und vor den Anstrengungen der Reisen.
Am Telefon klang sie bei den häufigen Telefonaten unverändert im Ton und im Witz. Auf Fragen zu ihrer Gesundheit, sagte sie immer:
Die Werte sind gut, die Ärzte sind zufrieden, es ginge ihr gut. Sie sei nur immer müde.
Wir und ich waren zuversichtlich!

Nun versammeln wir uns zu ihrer Trauerfeier in einem Sommermonat, in dem wir in den letzten Jahren zu viele liebe Freunde verloren. Günther starb am 26. August 2006, Bine nun am 17. August 2012 und am 29. August 2009 der auch den Müllers sehr vertraute Pater Norbert Schlegel. Alle viel zu früh. Lange bevor sie ihren 70. Geburtstag feiern konnten. Wir hätten so gerne mitgefeiert!

Sabine Müller begann ihre aktive Zeit in der Egerland-Jugend Bad Homburg, in der ihr Günther schon lange dabei war. Mit Günther wirkte sie in der Landesjugendführung Hessen, der Bundesjugendführung und konsequenterweise auch über Jahrzehnte im Vorstand des Bundes der Egerländer Gmoin. Besonders in der Schaffung und der jahrzehntelangen Betreuung des Buchdienstes der Egerland-Jugend haben sich beide bei der EJ ein Denkmal gesetzt. Die Buchhaltung für diese Einrichtung hat Bine bis zu ihrem Ende hin betrieben. Noch wenige Tage vor ihrem Tod telefonierten wir gewohnt locker und frei heraus über alles, was gerade zu besprechen war. Wie gut daß man meist nicht weiß, wann es das letzte Gespräch und die letzte Begegnung ist! Es gäbe sonst sicherlich mindestens ein unbeschwertes Gespräch weniger.
Sabine wurde vom Bund der Egerländer Gmoin e.V. mit den höchsten Ehrungen ausgezeichnet und von der EJ trug sie die Ehrennadel. Wichtiger als Ehrungen waren Sabine aber die Freundschaften, welche Sie schloß und auch pflegte. Eine große Trauergemeinde fand sich heute hier in Bad Homburg ein, um Dir Bine, die letzte Ehre zu erweisen. Leider ist es der Urlaubszeit geschuldet, daß einige weitere gute Freunde von Dir heute nicht hier sein können. In Gedanken sind diese heute hier unter uns, bei Deiner Trauerfeier.
Ruhe sanft und schlaf in Frieden, hab‘ viel Dank für Deine Müh‘ wenn Du auch bist von uns geschieden, in unserem Herzen stirbst du nie!
Diese Zeilen hat Dein Bruder für Dich ausgesucht und diese Zeilen verinnerlichen wir uns für Dich!

Liebe Bine, ruhe in Frieden und wache über uns, von dort, wo Du nun mit all den anderen guten Menschen bist!

anläßlich der Trauerfeier am 31 .08.2012 verfaßt und gesprochen von Volker Jobst

Bine

1977. Die Post bringt mir ein Paket. Ich habe keine Ahnung, was da drin sein könnte und auf den Absender sehe ich nicht. Paket. Schön. Irgendwie wie Weihnachten. Ich packe es also eilig aus und da ich ein echter Freund von Technik bin, begeistert mich der „elektrische“ Inhalt sofort. Ich erkenne zwar nicht unmittelbar, was das denn sein soll, aber schließlich stellt sich der mir zugestellte Apparat als Diktiergerät heraus. Zubehör: Eine ganze Menge an braunen, dünnen, schallplattenähnlichen Scheiben.
Jetzt interessiert mich der Absender doch. „Mülller, Iserlohn.“
Aha – interessant – aber was soll ich damit? Nun fällt mir ein, daß ich ja kurze Zeit zuvor zum stellvertretenden „Chef“ der EJ, der Egerland-Jugend, gewählt wurde. Es waren an diesem Bundesjugendtag nicht so viele bereit, dieses Amt zu übernehmen. Kurzum: Ich wurde Stellvertreter von Bundesjugendführer Günther Müller in der Bundesjugendführung. Meine Bedingung: „Ich habe wenig bis keine Ahnung, wie das geht – unterstützt mich bitte!“
Nun war also das Unterstützungspaket da. Und während ich noch überlege, was ich denn mit dieser Errungenschaft der Technik anfangen sollte, klingelte auch schon das Telefon:
„Müller. Wie geht‘s? Post bekommen?“
Und dann erzählte mein Amtsvorgänger mir aus seiner täglichen Praxis.
Nach der Arbeit daheim angekommen, geht es bei ihm direkt – ohne groß Luft zu holen – ins Ehrenamt. Die EJ-Post kurz aber intensiv den grauen Windungen unter dem ebenso langsam dieselbe Farbe annehmenden Haar zuführen, tagsüber zuhause eingegangene Informationen vom Telefon berichten lassen, und dann: Diktiergerät! Die bereits erwähnten schallplattenähnlichen Scheiben werden nun mit den bereitliegenden Gedanken besprochen und – von der evtl. Einnahme einer kleinen Mahlzeit abgesehen – drehen sich die Gedanken und die abendlichen Gespräche unter der Woche bei Müllers fast ausschließlich um die EJ.
Am nächsten Morgen – Günter ist schon längst wieder im Büro – kommen wieder die kleinen Platten zum Einsatz. Nun hat sie Bine -Günthers Frau. Und sie tippt und tippt. Ab zur Post mit den Briefen, Ablage machen, und schon ist Günther wieder da.
Irgendwie kommt bei mir Silvester auf: „The same procedure…“

Nun hat sich mir auch der Inhalt des Paketes erklärt. Bine ist die Schriftführerin der EJ. Und die „gehört jetzt mir“. Ich bin jetzt Chef.
Ich habe mich wirklich redlich bemüht, das Gerät zu verwenden.
Eine schallplattenähnliche Scheibe einlegen und einfach einen Brief diktieren.
Nach einer halben Stunde hatte ich auch schon ein sechs- bis achtzeiliges Schreiben der Platte anvertraut. Ab per Post zur Bine. Zwei Tage später erhielt ich dann auch das reinlichst getippte Ergebnis zur Unterschrift zurück.
Ich war sehr von meinen Formulierungsbemühungen enttäuscht. Die Bezeichnung „erschrocken“ trifft aber eher zu.
Und nach ganz wenigen besprochenen Kunststoffscheiben endete diese Episode für mich. Die zugegebenermaßen nicht immer perfekten Formulierungskünste einer schnöden Schallplatte anzuvertrauen – das ist nichts für mich. Günther konnte das .Aber: Günther ist Günther – ich bin ich. Meine Briefe schreibe ich fortan selbst!

Aber „meine“ Schreiwere sollte ja nicht nur einmal im Jahr ein Protokoll führen müssen. Und so kam es dann auch zu einem Telefonat, dessen Ergebnis ich kurz so beschreiben läßt: „Sag mir, was ich tun soll, und ich machs. Und wenn ich von dir nichts höre, mach ich selber was.“ Und so war das dann auch. Jahrzehntelang.

Die Müllers – lange Zeit noch aktiv in der Bundesführung der EJ tätig und später stets der EJ eng verbunden – führten ihr außergewöhnliches Engagement im Bund der Eghalanda Gmoin fort. Günther als Nachfolger unseres unvergessenen Bundesvüarstäihas Seff Heil, Sabine führte über viele Jahre als Bundesümgöldnere unsere Bundeskasse.
Sabine und Günther, oder Günther und Sabine:
Es gab sie nur im Paket. Und dieses Paket bringt nicht die Post.
Viele schöne Stunden – Tage – Wochen haben wir dieses Paket auspacken und genießen dürfen. 2006 hat sich die eine Hälfte still und schnell verabschiedet. Probleme, die sich dadurch ergeben haben, sind hinlänglich bekannt. Unsere Bine hat sehr unter dem Verlust ihrer gerne schallplattenähnlichen Scheiben besprechenden besseren Hälfte gelitten. Doch Bine hatte auch viele Freunde, die sie aufzufangen vermochten. Dies taten diese Freunde, zu denen ich mich auch zählen durfte, nach Günthers Tod gerne bei ihr in Iserlohn. Und Bine hat es genossen!
Dort habe ich sie auch zuletzt gesehen und dorthin ging auch mein letztes Telefonat mit ihr.

Bine hat ihre schwere Krankheit mit großer Zuversicht und schier endloser Geduld ertragen. Den lange währenden Kampf hat sie dennoch – für uns alle plötzlich und unerwartet – verloren.
Und unsere „Bine“ haben wir am letzten Tag im August 2012 zu ihrer letzten Ruhestätte auf dem Waldfriedhof in Bad Homburg begleitet. Würdig. Einen großen Dank an ihre Weggefährten, die ihr die letzte Ehre gaben!
Dieter Markgraf



Albert Reich zum 80ten

Albert Reich ist seit Jahrzehnten eine Egerländer Institution, er schuf u. a. die Arbeitsgemeinschaft Egerländer Kulturschaffender und leitet seinen AEK heute noch mit Energie und Engagement.

Geboren wurde er am 22. September 1932 nicht im Egerland, sondern in Prag, wo sein Vater Anton Reich in der Verwaltung von Graf Nostitz – Rieneck angestellt war. Seine Mutter hieß Hermine Reich, war eine geborene Husz und stammte aus dem ungarischen Burgenland. In Falkenau und Wien ging er zur Schule. Nach der Besetzung des Egerlandes durch die US-Army und später die Tschechen wurde die Familie zur Zwangsarbeit in die Nähe von Tabor verschleppt. Die Vertreibung 1946 brachte ihn und seine Familie nach Sachsen-Anhalt in die russische Besatzungszone. Wie viele andere Egerländer blieb die Familie nicht dort, sondern schlug sich 1947 nach Stuttgart durch. Dort bildete er sich zum Versicherungskaufmann aus, schließlich machte er sich selbständig. Seine Erfüllung fand er als engagierter Anwalt der Vertriebenen als Geschäftsführer des Hauses der Heimat des Landes Baden-Württemberg in Stuttgart. Schließlich wurde er in das Innenministerium berufen.

Sein Sinnen und Trachten galt von Jugend an den Vertriebenenverbänden und da besonders dem Stamm der Egerländer. Als Jugendlicher war er in der „Jungen Aktion“ der Ackermann-Gemeinde tätig. Er war Mitglied der „Sudetendeutschen Jugend“, der „Deutschen Jugend des Ostens“ (DJO) und der „Egerland-Jugend“. Den Bundesverband der EJ führte er längere Zeit, schuf die Arbeitsbriefe und gründete schließlich die Bundestreffen, die heute noch jährlich durchgeführt werden. Albert Reich war auch stellvertretender Führer der „Sudetendeutschen Jugend“.

Seit 1952 war der Jubilar Mitglied der „Eghalanda Gmoi z`Stuttgart“, 1973 wurde er deren Vüarstäiha , schließlich wurde er zum Vüarstäiha des Landesverbandes der „Eghalanda Gmoin“ Baden-Württemberg gewählt. Dieses wichtige Ehrenamt hatte er bis 2010 inne. Die von ihm organisierten Faschingsbälle mit Ernst Mosch sind legendär.
Er war auch an allen wichtigen Entscheidungen des „Bundes der Egerländer Gmoin“ (BdEG) beteiligt.

Im Jahre 1974 hatte Albert Reich die Idee, im Stuttgarter Rathaus das Kunstschaffen der Egerländer im 20. Jahrhundert in einer Ausstellung zu zeigen, Dem folgte ein Mundartsymposium und ein Egerländer Schriftstellertreffen. Natürlich waren auch andere Egerländer Persönlichkeiten an diesen Aktivitäten beteiligt, aber Albert Reich erkannte instinktiv das Richtige und schuf im Jahre 1975 den AEK. Gründungsmitglieder waren Dr. Alfred Görgl, Josef Heil, Albert Reich, Dr. Erich Riedl, Willi Starck, Dr. h.c. Josef Stingl, Dr. Josef Suchy und Otto Zerlik. Es wurden Arbeitsgruppen gegründet für Bildende Kunst, Bildungsforschung, Egerländer Biografisches Lexikon, Geschichte, Kunstgeschichte, Kunsthandwerk, Literatur, Musik, Volkskunde, Volksmusik, Wissenschaft, Technik, Naturwissenschaft. Seit der Gründung steht Albert Reich diesem bedeutenden Kulturverband vor, der in jährlichen Begegnungen im Egerland-Kulturhaus in Marktredwitz viele bedeutende Ausstellungen, Konzerte und Symposien mit hoch interessanten Themen organisiert hat. Nach 1990 hatten diese Treffen auch einen grenzüberschreitenden Anteil. Auch zahlreiche Publikationen wie die Kataloge 1 und 2 zum Kunstschaffen Egerländer Künstler im 20. Jahrhundert oder auch das Egerländer Standart – Werk „Egerländer Biografisches Lexikon“ von Dr. Josef Weinmann wären ohne das Zutun Albert Reichs nicht zustande gekommen.

Da sich sein Interesse mehr auf die Kulturarbeit konzentrierte, verwundert es nicht, dass er 1976 das Amt des Bundeskulturwartes des BdEG übernahm. Sein ausgeprägtes Organisationsvermögen ließ es zu, dass er nicht nur bei den Egerländern, sondern auch seit 1982 Landeskulturreferent des BdV und ab 1985 auch der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Baden-Württemberg wurde. Er hat erkannt, dass die Politik hauptsächlich durch die Kulturarbeit bestimmt wird.

Neben diesen Aktivitäten ist Albert Reich auch wohl einer der Hauptgestalter der bemerkenswerten „Tage der Heimat“ in Stuttgart.
Natürlich hat Albert Reich auch den „Egerländer Kulturpreis Johannes von Tepl“ geschaffen, dazu den Förderpreis, weil er davon überzeugt war, dass die Egerländer einen eigenen Kulturpreis haben müssen.

Alles, was Albert Reich sich vorgenommen hat, wurde auch mit Egerländer Beständigkeit und Diplomatie durchgesetzt. Mit seinem Namen ist die Kulturarbeit der Vertriebenen verbunden, für uns besonders die der Egerländer.
Wir wünschen Albert Reich zu seinem 80ten Geburtstag Gesundheit und Kraft, sein Werk noch einige Jahre fortführen, seine Archive ordnen und den AEK in jüngere Hände übergeben und die Zeit, mit seinen Kindern stolz auf sein großes Werk zurückschauen zu können.

Dr. Wolf-Dieter Hamperl



Hermine Bender feiert 80. Geburtstag

Hermine Bender erblickte am 11. Februar 1932 in Royau, Kreis Marienbad, das Licht der Welt. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs erlitt sie das gleiche Schicksal wie nahezu alle Sudetendeutschen, die Vertreibung aus der Heimat. Zunächst wurde sie mit ihrer Familie nach Wilsbach im Kreis Biedenkopf „verpflanzt“. 1948 kam sie aufgrund einer gefundenen Arbeitsstelle nach Dillenburg. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Günter Bender kennen und lieben. Ein echter Dillenburg Jung, der sich mit Leib und Seele in den Erhalt des Egerländer Kulturguts eingebracht und die umfangreichen Arbeiten für die Chronik von Royau durchgeführt hat. Die beiden heirateten in 1952. 1958 wurde das eigene Haus bezogen. Drei Töchter und ein Sohn entstammen der Ehe. Gemeinsam mit ihren Lebenspartnern und den fünf Enkeln zählten sie zu den Gratulanten.

1959 trat Hermine Bender in die Dillenburger Gmoi ein. Und ihr Eintritt sollte sich als Segen für den Verein wie auch für die Landes- und Bundesvorstände erweisen. Bereits 1963 Mitglied in Vorstand, wurde sie 1965 stellvertretende Trachtenwartin und war von 1973 bis heute Trachtenwartin der Dillenburger Gmoi. Spass am Tanzen führte zur Wiederbelebung der Gmoi-Tanzgruppe, deren Leitung sie für die nächsten 12 Jahre gleich mit übernahm. Und auch heute noch ist Hermine Bender als Ideengeber eine willkommene Stärkung des Vorstands und mit großem Arbeitseinsatz in der Gmoi aktiv. Auf ausdrücklichen Wunsch der Jubilarin enthält dieser Bericht statt eines Einzelbildes ein Gruppenfoto mit ihr und Mitgliedern der Tanzgruppen aus der Gmoi Dillenburg.

Im Landesverband Hessen der Egerländer ist sie über 30 Jahre im Vorstand tätig gewesen, davon viele Jahre als Frauenbeauftragte. Besser bekannt ist sie den meisten unter uns als Trachtenreferentin (ab 1985) bzw. als Trachtenwartin (ab Mitte der 90er Jahre) auf Bundesebene, eine Aufgabe, der sie sich insgesamt rund 23 Jahre (bis 2008) mit sehr großem Einsatz gewidmet hat. Dabei wurde sie besonders für ihre kompetenten Vorträge über Egerländer Trachten im ganzen Bundesgebiet geschätzt. Für ihre Verdienste wurde sie von den Egerländern mit der Bundesehrennadel und dem Bundesehrenzeichen ausgezeichnet.

Aber auch außerhalb der Egerländer war sie sehr aktiv. Es ist fast rätselhaft, wo sie trotz der Kinder, Ehemann und Haus die Zeit hernahm. 1972 und auch ab 1989 wurde die Christdemokratin als Stadtverordnete gewählt. Ab 1976 war sie über 12 Jahre im Magistrat der Stadt Dillenburg und wurde 1993 zur Ehrenstadträtin ernannt. In dem Gremium hatte sie die Aufgabe der Kulturdezernentin übernommen und sich mit großem Engagement für die Vereine und die Jugend eingesetzt. Der Ehrenbrief des Landes Hessen, die Oranierplakette sowie der Kulturehrenbrief der Stadt Dillenburg, aber auch der Ehrenamtspreis der CDU Lahn-Dill für die Förderung der Jugendarbeit waren weitere Auszeichnungen.

Aber auch die Katholische Kirchengemeinde, bei der sie im Pfarrgemeinderat, im Altenclub und 33 Jahre als Caritas-Helferin aktiv mitgearbeitet hat, profitierte von Hermine Benders Aktivitäten. Schöffin (ab 1989) und Verfahrenspflegerin bei Betreuungssachen (ab 1996) waren weitere Stationen ihres Einsatzes für soziale Belange.

Für Ihr über 30-jähriges ehrenamtliches Engagement erhielt die Dillenburgerin bzw. Royauerin 2007 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Bei der Auszeichnung lobte Stefan Grüttner, „Sie sei immer dort gewesen wo sie gebraucht wurde“ und stellte fest „Trotz ihres Alters denkt sie nicht ans Aufhören“.

Bericht: Gudrun und Hans-Jürgen Ramisch



Dillenburger Kulturehrenbrief für Sonja Gebauer-Schwab
Ehrenamtspreis für Hilda Hain

Sonja Gebauer-Schwab ist seit 1997 Vüarstäihare der Egerländer Gmoi Dillenburg. Für ihr Engagement zur Erhaltung des Brauchtums wurde sie jetzt vom Dillenburger Bürgermeister Michael Lotz mit dem Kulturehrenbrief der Stadt ausgezeichnet. Der Ehrenbrief wird für besondere Verdienste u.a. in den Bereichen Kultur- und Brauchtumspflege vergeben.

Sonja Gebauer-Schwab trat mit 11 Jahren in die Kinder-Tanzgruppe der Egerländer Gmoi ein. Ihre Eltern sind Heimatvertriebene, die Mutter aus dem Sudetenland, der Vater aus Schlesien. Sie ist mittlerweile rund 30 Jahre im Vorstand der Dillenburger Gmoi. In 1995 wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, seit 1997 hat sie den Vorsitz inne. Seit 1997 gehört sie dem Landesvorstand an, zunächst als Beisitzer, aktuell als stellvertretende Schriftführerin. Im Bundesvorstand ist sie seit 2008 als stellvertretende Trachtenwartin aktiv. Vom Bund der Eghalanda Gmoin wurde sie mit der Bundesehrennadel und dem Bundesehrenzeichen für ihre vielfältigen Aktivitäten ausgezeichnet.

Ihr besonderes Augenmerk gilt der Weitergabe der Egerländer Tradition. Dabei spielt besonders auch die Nachwuchsarbeit der Gmoi in Dillenburg eine große Rolle. Die Egerländer Gmoi in Dillenburg ist eine der fünf Hessischen Gmoin, die noch eine aktive Jugendarbeit aufweisen.

In die Amtszeit von Sonja Gebauer-Schwab fallen rund 160 Vorstandssitzungen sowie ca. 60 Veranstaltungen. Jährlich finden in Dillenburg fünf Veranstaltungen statt. Der Kirwa und der Mai-Nachmittag haben dabei die größte Resonanz. Aber auch mit zahlreichen Ständen ist die Gmoi aktiv. Dabei ist die Vorsitzende auch immer vorne dabei. Gleiches gilt für die Auftritte. Hier sind beispielsweise Auftritte auf dem Töpfermarkt in Breitscheid, in diversen Altenheimen, beim Tag der Heimat und selbstverständlich auf den Gmoi-eigenen Veranstaltungen zu nennen.

Mit ihr ausgezeichnet wurde Hilda Hain, die seit 22 Jahren den Singkreis der Gmoi betreut. Sie ist seit 1995 Mitglied im Vorstand und seit 2005 Kulturwartin der Gmoi. Im Jahr 2008 hat sie von Günter Bender die Aufgabe des Ortsbetreuers von Royau übernommen. Bürgermeister Michael Lotz zeichnete Hilda Hain für ihre ehrenamtliche Tätigkeit mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Dillenburg aus.